Von Bremen in die Welt: 25 Jahre (!) Weiterbildung zum Klebfachingenieur (EAE) am Fraunhofer IFAM

Eine Erfolgsgeschichte feiert Jubiläum: Wie sich der Klebfachingenieur-Lehrgang seit den Anfängen im Jahr 2001 bis zum heutigen Tag mit über 1.200 Absolventen entwickelt hat.

 

Image: 25 Jahre EAE

Die Anfänge: Vom ersten Kurs bis zur internationalen Vielfalt

Der erste Kurs zum Klebfachingenieur (EAE) startete 2001 unter der Leitung von Dr. Dirk Niermann. Inzwischen läuft bereits der 31. Lehrgang in deutscher Sprache hier in Bremen. Die Entwicklung des Lehrgangs war der letzte Schritt zu einem dreistufigen Personenzertifizierungssystem, welches sich an alle Zielgruppen in den Anwenderbetrieben richtet: vom Werker bis zur technischen Entscheiderebene.

Diese Erweiterung war notwendig, um die klebtechnische Qualitätssicherung durch ein Betriebszertifizierungssystem zu ergänzen – damals auf Basis der Anforderungen der DIN 6701 für den Schienenfahrzeugbau, später dann ergänzt um die DIN 2304 für alle Branchen außerhalb des Schienenfahrzeugbaus. Heute sind es die internationalen Nachfolger EN 17460 und ISO 21368 sowie die TL A0023 für den militärischen Bereich, die ausgebildete Klebfachingenieure für die Entwicklung und Fertigung von Produkten mit sicherheitsrelevanten Klebungen fordern.

Durch die internationale Reichweite der DIN 6701 und der aufkommenden Nachfrage, folgte 2006 der erste englischsprachige EAE-Kurs hier in Bremen. Aktuell führen wir den 15. internationalen Lehrgang durch. 2015 erweiterte sich das Angebot um den chinesischen Lehrgang, der seither mit großem Erfolg in Kooperation mit unserem chinesischen Partner YIFA, mittlerweile im elften Durchgang, durchgeführt wird. Der polnische Lehrgang ergänzte 2020/21 das aktuelle Portfolio.

 

Starke Partner für eine starke Ausbildung

Natürlich kann man so einen umfangreichen Kurs nicht alleine durchführen. Wir erhielten und erhalten Unterstützung von der Hochschule Bremen, der TU Dresden, der Universität des Saarlandes und natürlich den Kolleginnen und Kollegen aus den Fachabteilungen des Fraunhofer IFAM. Gerade für den Klebfachingenieur-Lehrgang hat sich die Einbindung des Weiterbildungszentrum in die Forschungsaktivitäten des Gesamtinstituts ausgezahlt und stellt sicher, dass unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer die aktuellen Informationen aus Wissenschaft und Technik erhalten.

 

Teilnehmerzahlen und Kursentwicklung

Die Teilnehmerzahl hat sich über die Jahre stark verändert. Der größte Kurs hatte beeindruckende 42 Teilnehmende, während es in der Corona-Pandemie aber auch einen Kurs mit nur 6 TN gab. Trotz dieser Herausforderungen haben wir innovative Lösungen gefunden: Der englische Kurs 2020 wurde mit Online-Unterricht und Online-Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Aus diesen Erfahrungen heraus entwickelten wir ein vollständiges Blended-Learning Konzept mit Online- und Präsenzanteilen welches 2025 vom EWF, der europäischen Dachorganisation der Personenzertifizierer in der Fügetechnik, auditiert wurde und wir anschließend eine Erweiterung unseres Zulassungsumfanges erhielten.

Von den Anfängen bis heute haben wir über 1.200 Klebfachingenieure qualifiziert. Die meisten natürlich aus Deutschland, jedoch ist das Teilnehmerfeld sehr international geworden und reicht von West (Salt Lake City, USA) bis Ost (Tokio, Japan), von Nord (Reykjavik, Island) bis Süd (Brisbane, Australien). Das Ziel ist meist die Arbeit als verantwortliche Klebaufsicht für S1- oder A1-Klebungen – ein krisensicherer Job, EAEs sind sehr gefragt. Seit 2022 gibt es zudem die Qualifizierung zum Klebtechnologen, der sich an Teilnehmer richtet, welche die formalen Anforderungen zur Teilnahme an dem EAE-Lehrgang nicht erfüllen, aber in ihren Betrieben ähnliche Aufgaben erfüllen.

 

Vielfalt der Branchen und Perspektiven

Die Zusammensetzung der Teilnehmenden hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Während die ersten Kurse stark vom Schienenfahrzeugbau geprägt waren, finden wir heute ein sehr gemischtes Teilnehmerfeld aus verschiedenen Industrien: vom Automobilbau über den Schiff- und Flugzeugbau bis hin zur Elektronik und Wehrtechnik. Dazu Klebstoffhersteller, Maschinenbauer und Mitarbeiter aus Forschungsinstituten. Diese Diversität sorgt dafür, dass während des Kurses verschiedene Perspektiven diskutiert werden und jeder von dem Spezialwissen der anderen profitieren kann.

So ist ein Netzwerk von ehemaligen Teilnehmenden entstanden, das über die Kurszeit hinaus besteht. Oft treffen sich ehemalige Lehrgangskommilitonen zu weiteren Veranstaltungen wie den Bremer Klebtagen und tauschen sich aus oder schnacken über die intensiven acht Wochen am Fraunhofer IFAM. Viele von Ihnen sind heute die zentrale Ansprechperson in ihren Betrieben, wenn es um klebtechnische Fragestellungen geht, einige arbeiten in Weiterbildungsstätten und fördern so den klebtechnischen Nachwuchs in ihren Ländern. Einige sind als DVS-Prüfer aktiv und sorgen dafür, dass die hohen Standards des klebtechnischen Qualifizierungssystems gewahrt bleiben.

Überdies sind auch sehr persönliche Beziehungen entstanden, ja sogar Lebenspartnerschaften, welche z.T. auch zu „biologischem“ Nachwuchs in der Klebtechnik führten. So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Teilnahme an dem Klebfachingenieur-Lehrgang für die allermeisten Teilnehmer das berufliche (und teilweise private) Leben stark beeinflusst hat!

Wir laden Sie herzlich ein, Teil dieser Gemeinschaft zu werden und zu bleiben. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam die Zukunft der Klebtechnik gestalten!

 

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