Klebfachingenieur

NACH RICHTLINIEN DVS® / EWF 3309 UND EWF 517 --- LEHRGANG WIRD NACH DIN 2304 UND DIN 6701 ANERKANNT.

Die Ansprüche an moderne Produkte steigen stetig. Zunehmend müssen Bauteile kleiner, leichter und schneller werden und auch ökologische und ökonomische Anforderungen erfüllen. Die Klebtechnik (KT) ist in der Lage, die Metalle, Faserverbundkunststoffe, Legierungen oder Keramiken zu leistungsfähigen Verbundsystemen zu kombinieren. Zudem lassen sich durch den Klebstoff über das bloße Verbinden hinaus etwa Schwingungsdämpfung, Abdichtfunktionen und Korrosionsschutz integrieren.

Achtwöchiger Kurs für Entscheider

Um aus den Vorteilen der Klebtechnik allerdings auch in der industriellen Praxis Wettbewerbsvorsprünge zu realisieren, bedarf es einer fachgerechten Anwendung durch qualifiziertes Personal. Fachleute müssen die Besonderheiten der Fügetechnik Kleben kennen und verstehen. Ohne spezielle Kenntnisse kann es in der industriellen Anwendung der Klebtechnik zu schwerwiegenden Fehlern kommen. Fehlende oder unzureichende Oberflächenbehandlung, falsche Klebstoffauswahl, unsachgemäße Klebstoffverarbeitung und Nichtbeachtung der Konstruktionsregeln beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit von Klebverbindungen. Die Qualitätssicherung steht daher an erster Stelle. Das Fraunhofer IFAM bietet daher den achtwöchigen Kurs „Klebfachingenieur“ an, der technische Entscheider schult, interdisziplinär zu denken, handeln und verantwortlich zu entscheiden sowie Anforderungen aus dem gesamten Produktlebenszyklus zu berücksichtigen.

Zielgruppe

Die Weiterbildung zum Klebfachingenieur richtet sich an Ingenieure und Naturwissenschaftler aller Fachrichtungen, die die Klebtechnik bereits einsetzen oder künftig einsetzen wollen.

Qualifizierungsziele

Mit erfolgreicher Teilnahme am Kurs erwerben die Kursteilnehmer den international anerkannten Titel DVS®-EWF-European Adhesive Engineer – EAE (Klebfachingenieur). Dieser qualifiziert dazu, in einem Unternehmen die Aufgaben und Befugnisse der verantwortlichen Klebaufsichtsperson (nach DIN 6701-2 bzw. Richtlinien DVS® 3310 und 3311) zu übernehmen. Die Teilnehmer werden für die Betreuung aller klebtechnischen Belange von der Produktentwicklung über die Fertigung bis zur Reparatur qualifiziert. Die Weiterbildung zum Klebfachingenieur erfüllt die Forderungen der DIN EN ISO 9001 nach besonders qualifiziertem Personal für die verantwortliche Betreuung „spezieller Prozesse“.

Ausführliche Informationen

Dauer

332 Std. (Acht einwöchige Kurswochen mit unterschiedlichen Schwerpunkten)

Lehrgangsgebühren

Die aktuellen Lehrgangsgebühren finden Sie, wenn Sie bei "Termine und Anmeldung" auf den entprechenden Kurs klicken.

Termine und Anmeldung


Deutschsprachige Lehrgänge

EAE-1-17 (ausgebucht)
Woche 1    30.01. - 03.02.2017
Woche 2    13.03. - 17.03.2017
Woche 3    24.04. - 28.04.2017
Woche 4    29.05. - 02.06.2017
Woche 5    26.06. - 30.06.2017
Woche 6    18.09. - 22.09.2017
Woche 7    23.10. - 27.10.2017
Woche 8    27.11. - 01.12.2017

EAE-1-18
Woche 1    05.02. - 09.02.2018
Woche 2    05.03. - 09.03.2018
Woche 3    09.04. - 13.04.2018
Woche 4    14.05. - 18.05.2018
Woche 5    11.06. - 15.06.2018
Woche 6    24.09. - 28.09.2018
Woche 7    22.10. - 26.10.2018
Woche 8    26.11. - 30.11.2018

Englischsprachige Lehrgänge

EAE-E-1-17/18
Woche 1    28.08. - 01.09.2017
Woche 2    04.09. - 08.09.2017
Woche 3    13.11. - 17.11.2017
Woche 4    20.11. - 24.11.2017
Woche 5    15.01. - 19.01.2018
Woche 6    22.01. - 26.01.2018
Woche 7    16.04. - 20.04.2018
Woche 8    23.04. - 27.04.2018

EAE-E-1-18/19
Woche 1    03.09. - 07.09.2018
Woche 2    10.09. - 14.09.2018
Woche 3    05.11. - 09.11.2018
Woche 4    12.11. - 16.11.2018
Woche 5    14.01. - 18.01.2019
Woche 6    21.01. - 25.01.2019
Woche 7    18.03. - 22.03.2019
Woche 8    25.03. - 29.03.2019

Inhalte

Werkstoffliche Grundlagen, Klebtechnische Eigenschaften der Fügeteilwerkstoffe, Klebstoffe, Funktionsprinzipien und Anwendungseigenschaften, Klebstoff und Oberflächenanalytik, Adhäsion, Oberflächenbehandlung, Fertigungstechnik, Fügeverfahren, Konstruktion, Qualitätsmanagement, Prüftechnik und Alterung, Arbeits- und Umweltschutz

Zugangsvoraussetzungen

Bestandene Abschlussprüfung (Bachelor oder höher) an einer Universität, Technischen Hochschule oder Fachhochschule in einer Ingenieur- oder Naturwissenschaft. Interessenten, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, können als Gasthörer teilnehmen. Ihnen wird nach bestandener Prüfung eine Teilnahmebestätigung ausgestellt, die als gleichwertige Qualifizierung bei der Betriebszertifizierung nach DIN 6701-2 anerkannt wird.

Prüfungen

Der Lehrgang schließt mit einer Prüfung (praktisch, schriftlich, mündlich) ab. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung ist die regelmäßige Kursteilnahme.

Zertifizierung und Akkreditierung

DIN EN ISO 9001, DIN EN ISO/IEC 17025, DIN EN ISO/IEC 17024

Branchen

Schienenfahrzeugbau, Automotive, Maschinen-und Anlagenbau, Transportmittelbau, Windkraft und andere

Werkstoffliche Grundlagen

In diesem Kursteil erhalten die angehenden Klebfachingenieure eine Einführung in klebtechnische Grundlagen. Die wesentlichen Elemente zum Verständnis der Klebtechnik werden vermittelt. Dies beinhaltet unter anderem Kenntnisse über Primär- und Sekundärstrukturen von Polymeren und anderen Werkstoffen.

Klebtechnische Eigenschaften der Fügeteilwerkstoffe

Die klebtechnisch relevanten Bulk- und Oberflächeneigenschaften von Metall-, Kunststoff-, Faserverbundkunststoff- und Glasfügeteilen werden in diesem Abschnitt des Kurses zum Fachingenieur vermittelt. Diese sind bedeutende Elemente zur Erklärung der Notwendigkeit und der Wirkungen werkstoffspezifischer Methoden zur Oberflächenbehandlung.
Klebstoffe, Funktionsprinzipien und Anwendungseigenschaften
Die Kernthemen der Klebtechnik, Verarbeitungscharakteristik und Härtungsmechanismen der verschiedenen Klebstoffarten und ihre Eigenschaften im festen Zustand sind Bestandteil der Weiterbildung zum Klebfachingenieur. Auch in die Zusammensetzung und Formulierung von Klebstoffen wird den Teilnehmern Einblick gegeben. Der Kursteil Klebstoffe, Funktionsprinzipien und Anwendungseigenschaften schließt mit einem Praktikum ab, das die gelernten Inhalte weiter vertieft.

Klebstoff- und Oberflächenanalytik

Ein Teil der Fortbildung zum Klebfachingenieur widmet sich auch den gängigen Verfahren zur Analytik von Klebstoffen im flüssigen und ausgehärteten Zustand. Auch die Verfahren zur Untersuchung des Aushärteverlaufs von Klebstoffen werden besprochen. Weiterhin sind Verfahren zur Charakterisierung von Werkstoffoberflächen Thema dieses Kursabschnitts. Es werden unter anderem folgende Verfahren behandelt:
• Dynamische Differenz-Kaliometrie (DDK/DSC)
• Thermogravimetrische Analyse (TGA)
• Dynamisch-mechanische Analyse (DMA)
• Thermomechanische Analyse (TMA)
• Infrarotspektroskopie (IR)
• Flüssigkeits-, Gas- und Gel-Permeationschromatografie
• Elektronenspektroskopie zur Chemischen Analyse (ESCA)
• Auger-Elektronenspektroskopie (AES)
• Rastersondenmikroskopie (SPM)
• Transmissionselektronenmikroskopie (TEM)

Adhäsion

Im Kursteil Adhäsion werden den Teilnehmern fundierte Kenntnisse über die Adhäsion vermittelt. Die angehenden Klebfachingenieure bekommen darüber hinaus einen Einblick in die aktuelle Adhäsionsforschung. Das Verständnis der fundamentalen Kräfte und Prinzipien, die den Einsatz der Klebtechnik ermöglichen oder auch limitieren, wird für eine kritische Betrachtung vieler etablierter Modelle, Vorstellungen und Verfahren genutzt. Als Ergänzung zum theoretischen Lehrangebot dienen praktische Versuche.

Oberflächenbehandlung

Dieses Themengebiet umfasst die fachgerechte Reinigung der unterschiedlichen Oberflächen sowie Anwendungsbereiche und Wirkungsgrad werkstoffspezifischer Vor- und Nachbehandlungsverfahren.

Fertigungstechnik

Im Kursabschnitt Fertigungstechnik wird das rheologische Verhalten von Klebstoffen sowie Applikations- und Aushärtungstechniken vermittelt. Dazu gehören Kenntnisse über den Aufbau und das Leistungsspektrum der einzelnen Komponenten von manuell, halbautomatisch oder vollautomatisch eingesetzten Anlagen.
Fügeverfahren
Ein wichtiger Bestandteil des Kurses zum Klebfachingenieur ist die Weitergabe von Kenntnissen über verschiedene Fügeverfahren der Klebtechnik. Zu den besprochenen Fügeverfahren gehören Schweißen, Clinchen, Stanznieten und Blindnieten. Ziel ist es, über die Kombination dieser Verfahren mit dem Kleben Synergien zu erkennen und damit die Erschließung von Anwendungen zu ermöglichen, für die die Potenziale der Einzelverfahren nicht ausreichen.

Konstruktion

Die Weiterentwicklung von Dimensionierungs- und Berechnungsverfahren in der Klebtechnik steht zurzeit im Fokus der Forschung. Daher sind diese Verfahren integraler Bestandteil des Kursabschnitts zur Konstruktion im Rahmen der Weiterbildung zum Klebfachingenieur. Die Teilnehmer bekommen einen Einblick in die zugrundeliegenden analytischen und numerischen Modelle. Außerdem beschreibt der Kurs die Praxisrelevanz dieser Modelle. Anhand konkreter Beispiele aus der industriellen Anwendung wird das Vorgehen zur Lösung verschiedener konstruktiver Aufgaben erklärt und geübt. Auch zu Fragen der Bewertung von Konstruktionen und der Berücksichtigung von Abminderungsfaktoren nehmen die Fachbetreuer des Fraunhofer IFAM im Kontext des Kurses Stellung.

Qualitätsmanagement, Prüftechnik (zerstörend, zerstörungsfrei), Alterung

Zur Ergänzung eines allgemeinen Qualitätsmanagementsystems vermittelt der Kurs den Teilnehmern, die in der industriellen Praxis auf der technischen Entscheiderebene anzusiedeln sind, eine technologiespezifische Sichtweise auf das Thema. Hierbei erfolgt die Betrachtung der gesamten Prozesskette von der Idee bis zum Ende der Lebensdauer des Produkts hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten von Qualitätssicherungswerkzeugen. Schwerpunkte stellen in diesem Zusammenhang im Kursteil Qualitätsmanagement, Prüftechnik und Alterung auch die zerstörungsfreie Prüftechnik und die Alterung von Klebverbunden dar.

Arbeitssicherheit und Umweltaspekte

Der Verantwortungsbereich des Klebfachingenieurs als Entscheider auf der technischen Ebene verlangt auch eine Mitwirkung an Maßnahmen im Bereich des Arbeits- und Umweltschutzes. Deshalb wird im Kurs das erforderliche Wissen über physiologische und ökologische Aspekte im praktischen Umgang mit Klebstoffen, gesetzlichen Bestimmungen und angemessenen Schutzmaßnahmen für die Anwender vermittelt.