Erster Composite-Lehrgang erfolgreich mit Kooperationspartner aus China durchgeführt

Nach insgesamt drei Kurswochen wurde der erste in Kooperation zwischen dem Weiterbildungszentrum für Faserverbundwerkstoffe (WZF) am Fraunhofer IFAM und dem YIFA New Materials Institute (Jiangsu) Co., Ltd. durchgeführte Lehrgang »Composite Specialist« erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund der aktuellen Pandemiesituation wurden die theoretischen Lehrinhalte von Referenten des Fraunhofer IFAM über Video-Schulungen vermittelt. Die praktischen Einheiten wurden vor Ort unter Anleitung des Personals des Kooperationspartners durchgeführt. Dieses wiederum wurde vorab mittels einer »train the trainer - Schulung« unterwiesen.

Neben Grundlagen der Faserverbundkunststoff (FVK) -Technologie wurde der Einfluss unterschiedlicher Parameter und Komponenten auf die Eigenschaften von FVK sowie verschiedene Fertigungs- und Reparaturverfahren in Theorie und Praxis vermittelt.

In diesem Interview berichten Dr. Cathy Zhang, Leiterin des YIFA New Materials Institute (Jiangsu) Co., Ltd. und Milan Kelch, stellvertretender Leiter des Weiterbildungszentrums für Faserverbundwerkstoffe am Fraunhofer IFAM über ihre Motivation und Erfahrungen.

Erster Composite Lehrgang erfolgreich mit Kooperationspartner aus China durchgeführt
Erster Composite Lehrgang erfolgreich mit Kooperationspartner aus China durchgeführt

Frau Dr. Zhang, aus welcher Motivation heraus haben Sie sich entschlossen, in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IFAM eine Berufsausbildung zum Thema Faserverbundwerkstoffe anzubieten?

Wir haben in den letzten Jahren einen dramatischen Anstieg der Produktion von Verbundwerkstoffen in China gesehen, da das Interesse an Leichtbaustrukturen in der Eisenbahn-, Automobil-, Flugzeug- oder sogar Haushaltsgeräteindustrie wächst. Daher gibt es eine hohe Nachfrage nach professioneller Ausbildung in diesen Industrien. Ingenieure und Techniker stehen vor neuen Herausforderungen, z.B. bei der Oberflächenbehandlung, bei geeigneten Fügeverfahren für Verbundwerkstoffe und andere Materialien, bei Reparaturverfahren und bei der Erstellung von Anforderungslisten für Lieferanten.

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IFAM haben wir in den letzten Jahren viel Erfahrung in der Weiterbildung im Bereich Klebtechnik gesammelt und wollen dieses Geschäftsmodell nun auf die Faserverbundtechnologie übertragen. Es gibt Unterschiede zwischen der Klebtechnik und der Faserverbundtechnologie hinsichtlich der Zielkunden. Dennoch sind die Zielbranchen die gleichen und wir sind sicher, dass wir unsere Zielkunden über die meisten unserer bisherigen Kanäle ansprechen können.

Wir haben mehr als zwei Jahre vor dem ersten Kurs begonnen, unser professionelles Schulungsteam aufzubauen. Wir haben hochqualifizierte Trainer mit gutem Bildungshintergrund und Arbeitserfahrungen im Composite-Bereich eingestellt und am Fraunhofer IFAM ausgebildet. Dank der exzellenten Zusammenarbeit zwischen Fraunhofer IFAM und YIFA haben wir im Vorfeld des Kurses viel Vorbereitungsarbeit geleistet, einschließlich Übersetzung, Dolmetschen, praktischer Übungen und Proben, was unseren ersten Pilotkurs sehr erfolgreich gemacht hat.

Herr Kelch, wo sehen Sie das Potenzial, in Kooperation mit Yifa New Materials Fachschulungen anzubieten?

In den letzten Jahrzehnten haben wir beobachtet, dass sich die Produktion vieler Bauteile aus Verbundwerkstoffen wie Rotorblätter für Windkraftanlagen oder Eisenbahnkomponenten aus dem europäischen in den asiatischen Raum verlagert hat. Diese Produkte werden weltweit verkauft und müssen die hohen Qualitätsanforderungen der verschiedenen Märkte erfüllen. Im Gegensatz zu vielen anderen Materialien haben Verbundwerkstoffe einen komplexen Aufbau und ihre Eigenschaften hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab. Daher ist die Qualitätssicherung eine Notwendigkeit für die erfolgreiche und sichere Anwendung dieser Materialien. Ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung ist die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter. Yifa New Materials und sein Partner Yifa Bonding haben als kompetenter Partner des Fraunhofer IFAM in der Klebtechnik in den letzten Jahren viel Erfahrung in der Qualifizierung von Fachkräften gesammelt und wir sind sicher, dass wir dieses System auf die Qualifizierung von Fachkräften im Bereich der Verbundwerkstoffe übertragen können.

Frau Dr. Zhang, was sind die nächsten Schritte für eine erfolgreiche Implementierung des Composite-Trainings auf dem asiatischen Markt?

Im Rahmen des Feedbacks unseres ersten Kurses schätzten die meisten Teilnehmer unseren Composite-Kurs als »praktisch und wertvoll für die tägliche Arbeit« ein, besonders für diejenigen, die kein systematisches Wissen über Composites hatten. Sie lernten die Zusammensetzung von Verbundwerkstoffen, die Funktion von Matrix und Faser, die Besonderheiten und Charakteristika der verschiedenen Materialien, welche Faktoren die Materialeigenschaften beeinflussen und vieles mehr.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach Composite-Schulungen in Asien sollen in Zukunft weitere einwöchige Kurse zu den Themen Composite-Fertigung und -Reparatur durchgeführt werden. In China wurden vor mehr als 10 Jahren der Hochgeschwindigkeitszug und die Straßenbahn in Betrieb genommen. Viele Fahrzeuge kommen nun zur Wartung mit dem Anspruch der Composite-Reparatur.

Zusätzlich gibt es viele Innovationen bei den Fahrzeugmaterialien, viele Firmen beginnen mit dem Design und der Herstellung von reinen CFK-Fahrzeugen, was hohe Anforderungen an das Composite-Training stellt. Mit der großen Unterstützung des Fraunhofer IFAM erreichen wir immer mehr Branchen, die Verbundwerkstoffe einsetzen, wie z.B. Luft- und Raumfahrt, Schiffbau, Windkraft etc. Ich bin davon überzeugt, dass sich immer mehr Industrien für diesen Lehrgang interessieren werden, genau wie für die Klebetechnik.

Außerdem gibt es Anfragen zu technischen Forschungsprojekten im Bereich Verbundwerkstoffe und wir haben die Absicht, mit dem professionellen Team des Fraunhofer IFAM zusammenzuarbeiten, um den chinesischen Unternehmen gemeinsame technische Unterstützung zu bieten.

 

In den kommenden Monaten werden wir weitere Kooperationspartner des Fraunhofer IFAM vorstellen. Bleiben Sie über unsere Website, unseren Newsletter oder die Sozialen Netzwerke (XingLinkedIn) mit uns in Kontakt!